Merkblatt über die Ankörung von Entlebucher Sennenhunden in der Schweiz

Ankörung von Entlebucher Sennenhunden in der Schweiz

Die Reinzucht des Entlebuchers geschieht in der Schweiz unter der Kontrolle des Schweizerischen Klubs für Entlebucher Sennenhunde SKES. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Körzucht, d. h. charakterlich oder körperlich ungeeignete Tiere werden ausgeschlossen. Dies geschieht anlässlich der jährlich zweimal durchgeführten Ankörung, welche aus einer Beurteilung des Exterieurs und einer Wesensprüfung besteht.

Besitzerinnen und Besitzer von Entlebucher Sennenhunden, welche ihren Hund zur Zucht ankören möchten, müssen sich frühzeitig mit dem Zuchtwart Max Heller in Verbindung setzen.

 

1. Allgemein

Die Ankörungen des SKES  finden jeweils im April und im Oktober statt. Ort: Gelände des Schäferhund-Clubs OG Zofingen in Zofingen AG. Nach bestandener Ankörung erhält jeder Hunde-Besitzer ein Kör- und Zuchtreglement. Ein absolutes Muss ist die Kenntnis des Kör- und Zuchtreglements des SKES. Darin sind alle für die Züchterschaft relevanten Vorschriften und Daten ersichtlich. Das Kör- und Zuchtreglement kann beim Zuchtwart des SKES, Max Heller, bezogen werden.

Eine Ankörung ist in der Regel ein Jahr gültig. Die in der Zucht stehenden Tiere werden jährlich nachgekört, sofern sie gesund sind. Nachkören heisst, dass ein Hund jährlich einen Augentest (siehe 2.1) machen muss. Ist der Befund negativ, ist der Hund automatisch nachgekört und muss nicht mehr vorgeführt werden.

 

2. Voraussetzungen

Um zur Körung zugelassen zu werden muss ein Hund mindestens 18 Monate alt sein. Ausserdem müssen an der Ankörung die Resultate folgender medizinischen Tests vorliegen:

  • Augenuntersuchungen:
    • Katarakt (grauer Star, HC) nicht älter als 6 Monate
    • Gonioskopie: Test zur Glaukom-Veranlagung (grüner Star); einmalig
  • DNA-Blutuntersuchung  betreffend die Progressive Retina-Atrophie (PRA)
  • Hüftgelenksdysplasie (HD) ohne Ellbogen zugelassen bis HD-Grad CC
  • Ektopische Ureteren (EU)
  • Herzauskultation im Alter ab 15 Monaten

Die Resultate der medizinischen Tests werden u.a. mit A, B, C beurteilt, wobei A jeweils das beste Resultat darstellt. Über die Kombination der Verpaarungen entscheidet die Züchterschaft in Zusammenarbeit mit dem Zuchtwart.

 

2.1. Augentest

Die Augentests können vorgängig bei einem Tier-Augenarzt ECVO oder direkt anlässlich der Ankörung in der Praxis von Dr. med. vet. Jürg Bolliger, Spezialtierarzt für Augenkrankheiten ECVO (Veterinär-Ophthalmologe) in Oftringen gemacht werden. Dabei werden die Augen des Hundes mit Tropfen leicht unempfindlich gemacht und mit einer so genannten Spaltlampe untersucht. In der Schweiz zugelassene ECVO-Tierärzte siehe www.s-a-v-o.ch.

In der Schweiz ist seit 2018 der erweiterte Augentest für Goniodysplasie obligatorisch: Mittels einer Gonioskopie wird der Kammerwinkel des Auges ermittelt, der entscheidend ist für eine mögliche Glaukom-Veranlagung (grüner Star).

 

2.2. Progressive Retina-Atrophie PRA

Die Progressive Retina-Atrophie PRA ist eine erbliche Augenerkrankung beim Hund, die zur Blindheit führt. Sie kann heute durch gezielte Verpaarung erfolgreich bekämpft werden. Der PRA-Status wird durch eine Blutuntersuchung ermittelt und kann schon im Welpenalter ca. ab der 3. Lebenswoche durchgeführt werden. Voraussetzung: Der Welpe muss vor der Blutentnahme mittels Mikrochip gekennzeichnet werden.

 

2.3. Hüftgelenksdysplasie HD

Weiter wird ein Röntgenzeugnis auf Hüftgelenksdysplasie gefordert. Für das HD-Röntgen müssen die Hunde mindestens 15 Monate alt sein – siehe Kör und Zuchtreglement 2.2.1. Zum Röntgen muss der Hund sediert werden. Jeder Tierarzt mit Röntgengerät kann diese Untersuchung durchführen. Die Auswertung der Röntgenaufnahmen erfolgt durch entsprechende Kommissionen in den Tierspitälern (Vetsuisse) Bern und Zürich. Das HD-Resultat dürfte in der Regel nach ca. 3 Wochen vorliegen.

 

2.4. Ektopische Ureteren EU

In den letzten Jahren sind bei Entlebucher Sennenhunden vermehrt Fälle von ektopischen Ureteren EU aufgetreten. Diese angeborene Anomalie, bei welcher einer oder beide Harnleiter (Ureter) nicht in die Blase, sondern in den Blasenhals oder direkt in die Harnröhre münden, kann zu Inkontinenz führen . Diese Vererbung wird erforscht und beobachtet. Der Hund muss für die Untersuchung in der Regel nur leicht sediert werden (Beruhigung). Die Untersuchung ist Voraussetzung für die Zuchtzulassung eines Hundes.

Wichtig: Die EU-Untersuchung mittels Ultraschall und zusätzlich CT kann nur im Tierspital (Vetsuisse) Zürich durchgeführt werden!

 

3. Die Ankörung: Ablauf in Stichworten

3.1. Wesensbeurteilung

Der Hund wird von der Leine gelassen. Kontaktaufnahme mit fremden Leuten, die auf dem Hundeplatz kreuz und quer durcheinander gehen. Ein Körrichter stellt der dem Besitzer (nachfolgend Bezugsperson genannt) Fragen zu ihrem resp. seinem Hund, z. B. : „Weshalb haben Sie einen Entlebucher?“ – „Ist er gesund?“ – „Verträgt er sich mit anderen Hunden?“ – „Wie verhält er sich Fremden gegenüber?“ – „Ist er wachsam?“ – „Welche Ausbildung hat er bisher gemacht?“ – „Lebt er auf dem Land oder in der Stadt?“ etc.

Weiter wird geprüft ob die Bezugsperson die Aufmerksamkeit des Hundes auf sich lenken kann. Sie spielt mit dem Hund mit einem Spielzeug, dasselbe tut danach der Wesensrichter. Figuranten (meistens Personen aus dem Umfeld der Entlebucher Sennenhundezucht) bilden einen Kreis um den Hund und seine Bezugsperson herum. Der Hund sitzt ohne Leine „bei Fuss“. Die Figuranten gehen erst langsam und dann schnell auf den Hund zu und dann wieder zurück. Im weitern wird der Hund von der Figurantengruppe abgeschirmt und vom Wesensrichter festgehalten, während sich die Bezugsperson entfernt und hinter einem Baum versteckt. Der Hund wird losgelassen und er sollte  seine Bezugsperson suchen/finden. Bei dieser Sequenz wird die Bindung des Hundes zu seiner Bezugsperson beurteilt.

Weiter werden mit Optischen und Akustischen Einwirkungen die Reaktionen des Hundes geprüft: Tröten, Kuhglocken, Büchsen, Plastikbändel, mit aufgeblasenem Ballon quietschen und loslassen, Blech schütteln, mit Kies gefüllten Kanister herumtschubsen, „Startschuss“ (2 Bretter gegeneinander knallen), gehen über Plastikplane u. ä.
Begegnung mit fremdem Hund: Die Bezugsperson trifft auf einen anderen Hundebesitzer. Beide Hunde sind an der Leine. Nach der Begegnung wird der Hund an einem Ort angebunden, die Bezugsperson entfernt sich aus dem Blickfeld des eigenen Hundes. Ein fremder Hundebesitzer läuft erneut mit seinem angeleinten Hund vorbei. In beiden Situationen sollte sich der Hund gelassen und freundlich zeigen.

 

3.2. Exterieurbeurteilung

Bei der Exterieurbeurteilung  wird der Hund zuerst identifiziert, indem sein Mikro-Chip „gelesen“ wird. Dann werden von den Exterieurrichtern die Schulterhöhe gemessen und Typ, Knochenstärke, Rumpf, Kopf, Gebiss, Augen (Form und Farbe), Ohren (Form und Ohrenstellung), Hals Brust, Schulter, Rücken, Rute, Pfoten, Gangwerk, Pigmentierung, Haare und Zeichnung/Farbverteilung beurteilt.

Tipps:

  • Üben Sie mit ihrem Hund, seine Schulterhöhe messen zu lassen.
  • Üben Sie mit ihm – auch fremde Personen -, dass er seinen Fang öffnen lässt und seine Zähne zeigt. Bei der Gebisskontrolle durch den Richter sollte sein Fang durch den Richter ohne Schwierigkeiten geöffnet werden können.
  • Üben Sie mit ihm, an der Leine im Trab zu laufen, damit sein Gangwerk beurteilt werden kann. Üben Sie auch das Kommando Steh.

Überhaupt empfehlen wir den Besitzerinnen und Besitzern dringend, mit ihren Hunden bereits im Jugendalter den Körungen als Zaungäste beizuwohnen. Dort kann man sich nicht nur ein Bild der Abläufe, sondern dem Hund auch die Umgebung vertraut machen. In der Regel sind dort auch immer erfahrene Mitglieder des SKES anwesend, die gerne allfällige Fragen beantworten.

Hinweis: In der Schweiz besteht keine Pflicht, vor der Ankörung eines Hundes mit diesem 2 Ausstellungen besucht zu haben. Dies im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern, in denen Entlebucher Sennenhunde gezüchtet werden (evtl. zu beachten bei Verpaarungen im Ausland).

 

4. Kosten

Die vorgeschriebenen medizinischen Untersuchungen inkl. die Ankörung für Klubmitglieder kosten total ca. Fr. 750.00. Für Nicht-Klubmitglieder kostet die Ankörung zusätzlich Fr. 100.00. Ist bei der EU-Untersuchung zusätzlich ein CT zur Feststellung der Harnleitereinmündungen in die Harnblase/Harnblasenhals/Harnröhre nötig, ergeben sich Mehrkosten von ca. Fr. 400.00.

 

Stand: Januar 2018